Abfalltrennung und Littering im öffentlichen Raum. Ein verhaltensökonomisches Feldexperiment

Gangl, KatharinaORCID: https://orcid.org/0000-0001-6009-3358; Spitzer, FlorianORCID: https://orcid.org/0000-0002-7915-3266 and Walter, AnnaORCID: https://orcid.org/0000-0003-0543-6092 (February 2022) Abfalltrennung und Littering im öffentlichen Raum. Ein verhaltensökonomisches Feldexperiment. [Research Report] 103 p.

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Korrekte Abfallentsorgung und Recycling tragen zentral zu Umwelt- und Klimaschutz bei. Während es für viele Menschen selbstverständlich ist, ihren Abfall zuhause getrennt zu sammeln, ist das im öffentlichen Raum, d. h. außer Haus, nur sehr selten der Fall. Auch wissenschaftliche Untersuchungen dazu, ob die getrennte Sammlung unterwegs funktioniert oder wie sie verbessert werden könnte, sind rar. Empirische Befunde zu Littering, d. h. dem achtlosen Wegwerfen von Abfall, lassen aber den Schluss zu, dass Abfallbehälter, die viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, das korrekte Abfallentsorgen verbessern könnten. Im Rahmen dieser Studie wurden zwei neue Sammelbehälter für die Fraktionen Kunststoff, Metall und Verbund designt. Ein Sammelbehälter hatte ein gut sichtbares und neutrales Design (blau-gelbe, grelle Beklebung) und der zweite Sammelbehälter hatte ein Design, das einen Bezug zur Thematik herstellte (Beklebung mit einem Bild von schöner und unberührter Natur). Im Rahmen eines Feldexperiments an 90 Standorten in Leoben, Steyr und Krems, wurde die Wirksamkeit der neuen Sammelbehälter auf korrektes Trennen und Littering überprüft. Dabei wurden die neu designten Sammelbehälter mit einem Sammelbehälter im Standarddesign (d. h. ohne Beklebung) und einer Kontrollgruppe ohne Behälter für die getrennte Sammlung verglichen. In einem Vorher-Nachher-Versuch wurde über zwei Wochen hinweg eine Basismessung von Abfall und Littering anhand von 15 verschiedenen Abfallfraktionen erhoben, danach wurden die neuen Sammelbehälter aufgestellt und an weiteren zwei Wochen die Versuchsmessung durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die getrennte Sammlung, insbesondere von Kunststoff und in Fußgängerzonen, funktioniert. In einem durchschnittlichen Sammelbehälter befinden sich ca. 64 Prozent korrekt getrennter Abfall. Des Weiteren könnte die getrennte Sammlung durch standort-spezifische Maßnahmen, insbesondere in der Nähe von Gastronomiestandorten, noch verbessert werden. Schließlich zeigen die Ergebnisse, dass die Sammelbehälter mit dem Bild einer schönen, unberührten Natur im städtischen Gebiet, nicht aber bei Grünflächen zu einer deutlichen Erhöhung der gesammelten Abfallmenge führen. Die Ergebnisse zum Littering zeigen, dass vor allem Zigarettenmüll gelittert wird. Bei den anderen Abfallarten gibt es eine starke Variabilität: In über 50% der Fälle gibt es überhaupt kein Littering, aber sehr selten Extremereignisse mit bspw. bis zu 12 gelitterten PET-Flaschen, die wahrscheinlich von Gruppen und nicht Einzelpersonen verursacht wurden. Standortcharakteristika wie die Einsichtigkeit beeinflussen das Aufkommen von Littering. Der Bericht stellt weitere Ergebnisse vor und endet mit einer Diskussion über mögliche Schritte zur weiteren Verbesserung der Abfallsammlung und -trennung im öffentlichen Raum.

Item Type: Research Report
Keywords: getrennte Sammlung, Littering, Recycling, Plastikabfall
Funders: Altstoff Recycling Austria AG (ARA)
Research Units: Behavioral Economics
Date Deposited: 14 Mar 2022 11:05
Last Modified: 14 Mar 2022 11:05
URI: https://irihs.ihs.ac.at/id/eprint/6097

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